Irdische Freuden und Todsünden: Hieronymus Bosch (“El Bosco”) im Prado, Madrid

Die meisten Reisenden sind sich darin einig, dass das berühmte Prado-Museum bei einem Besuch in Madrid ganz oben auf der Liste der Sehenswürdigkeiten steht. Wer zwischen Mai und September 2016 nach Madrid reist, hat Gelegenheit zu einem ganz besonderen Genuss: der Prado wird eine Ausstellung zu Ehren des visionären Künstlers Hieronymus Bosch (um 1450 bis 1516) aufnehmen, der in Spanien als “El Bosco” bekannt ist.

Der flämische Maler ist bekannt für seine beeindruckenden dreiteiligen Altarbilder, wie das Triptychon der Versuchungen des Heiligen Antonius, das ein besonderes Highlight der bevorstehenden Ausstellung sein wird, der bisher größten des Künstlers. Mehr als sechzig Werke wurden von verschiedenen spanischen und ausländischen Institutionen gesammelt und werden im Sommer 2016 in der Kirche Los Jerónimos ausgestellt.

Ein Künstler der zu Lebzeiten und auch danach bewundert wurde …

Das Werk von Bosch zeichnet sich durch seine phantastischen Landschaften und detaillierten Darstellungen religiöser Geschichten aus. Zu seinen bekanntesten Bildern gehören Der Garten der Lüste sowie Die sieben Todsünden und Die vier letzten Dinge.

Zu Lebzeiten wurde sein Werk weithin bewundert und auch kopiert und sein Ruhm verblasste nicht nach seinem Tod. Bosch kam regelrecht in Mode, dank seiner alptraumartigen Darstellungen der Hölle und der sündigen Menschheit.

Ein mittelalterlicher Surrealist

Während einige Kritiker die Ansicht vertreten, dass er lediglich versuchte zu schockieren und zu unterhalten, schreiben die meisten seinen Gemälden eine tiefere Bedeutung zu, im Sinne einer spätmittelalterlichen Moral. Es wird allgemein anerkannt, das Boschs Kunst erschaffen wurde, um konkrete Moralvorstellungen und spirituelle Wahrheiten zu lehren, und auch dass diese oft eine visuelle Umsetzung verbaler Metaphern darstellen, die aus biblischen und volkstümlichen Quellen stammen.

Einige moderne Wissenschaftler sehen Bosch sogar als so etwas wie einen mittelalterlichen Surrealisten und ziehen Parallelen zwischen ihm und dem spanischen Surrealisten Salvador Dalí, der im zwanzigsten Jahrhundert lebte.

Einer seiner größten Bewunderer war der spanische König Philipp II., der Boschs Fähigkeit rühmte Menschen so zu zeichnen “wie sie sind”. Daher befindet sich auch die größte Sammlung an Werken Boschs in Spanien und dem Prado kommt die Ehre zu, die Jubiläumsausstellung auszurichten. Gruppen die nach Madrid reisen, haben so noch einen weiteren Grund, den Prado zu besuchen. Eine einmalige Gelegenheit.

“El Bosco” wird vom 31. Mai bis zum 11. September 2016 zu sehen sein. Die Öffnungszeiten und Eingangspreise können Sie der Website Museo del Prado entnehmen.

 

Katharina Giesler

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